Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

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Moderator: Steve Rückwardt

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Lutze
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Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

Beitrag von Lutze » Di 27. Apr 2021, 20:11

Da ich hier ja immer mal wieder auf Unverständnis stoße das ich eine BE Version von 2016 nutze und auch andere diesbezüglich hier immer mal wieder schief angesehen werden, hier mal ein aktuelles Urteil dazu. Kam mit der Post von der Postbank. Wahrscheinlich wird gleich wieder einer kommen mit ja aber... Ich denke die Begründung lässt sich auch auf alle anderen Softwareprodukte in gewisser Weise übertragen. Problem das man es im Zweifel vor Gericht klären muss. In dem Fall eine Software aus dem Jahre 2010.
Aktuelle Urteile

E-Bilanz - für Kleinstbetriebe unzumutbar?

Das Finanzgericht Münster entschied: Entsteht durch die Erstellung und die Übermittlung der Bilanz in elektronischer Form einem Kleinstbetrieb erheblicher finanzieller Aufwand, muss dieser keine E-Bilanz vorlegen (Az. 5 K 436/20 AO).
Im entschiedenen Fall erstellte die Geschäftsführung einer GmbH, Jahresumsatz rund 70.000 Euro und Gewinn rund 300 Euro, die jährliche Bilanz 2015 inklusive Gewinn- und Verlustrechnung ohne die Unterstützung eines Steuerberaters. Die Geschäftsleitung erarbeitete die notwendigen Dokumente innerhalb von vier Arbeitstagen selbst und übermittelte diese dann digital an das Finanzamt. Für die Übertragung nutzte sie ein Computerprogramm, das vom Bundesanzeiger Verlag angeboten wurde.
Für das folgende Geschäftsjahr beantragte die Firma die Befreiung von der elektronischen Übermittlungspflicht. Ihre Argumentation: Aktuell arbeite man mit einer Buchhaltungssoftware, die 2010 angeschafft wurde und nicht den Vorgaben der Finanzverwaltung entspreche. Die Umstellung der Software würde aber einmalig 267 Euro kosten und einen Arbeitsmehraufwand von etwa 60 Stunden verursachen. Der Gewinn der Firma wäre damit hinfällig. Die Unterstützung eines Steuerberaters schlage sogar mit 2.000 Euro jährlich zu Buche.
Das Finanzamt lehnte diesen Antrag ab und argumentierte seinerseits, dass die Finanzverwaltung erhebliche Vorteile aus der automatischen Überprüfung einer E-Bilanz ziehen könne. Gegen die Ablehnung klagte die Firma.
Mit Erfolg: Das Finanzgericht Münster bescheinigte dem Unternehmen einen Anspruch darauf, dass das Finanzamt auf die E-Bilanz verzichtet. Die Erstellung sei wirtschaftlich unzumutbar im Sinne der Härtefallregelung, die vom Einkommensteuergesetz in Verbindung mit der Abgabenordnung vorgesehen sei. Um die technischen Voraussetzungen zur Erstellung und Übermittlung einer E-Bilanz zu schaffen, müsse der Kleinstbetrieb einen erheblichen finanziellen Aufwand stemmen. Dies sei bei den erzielten Jahresumsätzen und -gewinnen wirtschaftlich nicht zumutbar.


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Re: Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

Beitrag von Steve Rückwardt » Di 27. Apr 2021, 22:56

Hallo Lutze,
Lutze hat geschrieben:
Di 27. Apr 2021, 20:11
Wahrscheinlich wird gleich wieder einer kommen mit ja aber
ja, aber... :D
Ne, Spass beiseite. Du kennst meine Sichtweise was das betrifft. Nach allem was ich bei rechtlichen Infos, Urteilen etc. bisher gelernt habe, ist ein "es kommt darauf an" ganz wichtig. Das Urteil bezieht sich ja auf das Thema Abgabe der E-Bilanz. Kann man nicht pauschal auf alles andere stülpen.

Das Argument für eine aktuelle Version ist ja nicht (nur) E-Bilanz. Es sind u.a. Anforderungen der DSGVO, GoBD, Betriebsprüfung etc. Und ich persönlich glaube nicht, dass man all das "abschmettern" kann mit dem Argument Härtefallregelung oder "zu teuer".
Beste Grüsse

Steve
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Re: Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

Beitrag von Lutze » Mi 28. Apr 2021, 10:15

Na ja, aber die Begründung würde ja auf all das auch zutreffen. Und meinst du nicht das gerade das Finanzamt vorbringen würde das diese Software all den anderen Anforderungen auch nicht entspricht und allein schon deshalb ein Wechsel notwendig wäre? Ich denke das es eben nicht alles so festgeschrieben ist wie hier immer angesprochen zumal ja, wir hatten das Thema, auch Lexware in ihren Zertifikaten stehen hat das wenn was nicht passt sie bei Problemen außen vor bleiben. Man wiegt sich also mit aktueller Software in falscher Sicherheit. Wie auch mal erwähnt, das FA hat bei mir mal damals noch mit aktueller Version nur Mist ausgelesen aus BE. Seither macht mein Steuerberater das und wenn die was prüfen wollen dürfen die dort vorsprechen. BE ist bei mir im Grunde nur Rechnungsprogramm mit Lagerverwaltung und Zahlungskontrolle.

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Re: Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

Beitrag von Steve Rückwardt » Fr 30. Apr 2021, 09:40

Lutze hat geschrieben:
Mi 28. Apr 2021, 10:15
Na ja, aber die Begründung würde ja auf all das auch zutreffen.
Ähm, nein.
Lutze hat geschrieben:
Mi 28. Apr 2021, 10:15
Und meinst du nicht das gerade das Finanzamt vorbringen würde das diese Software all den anderen Anforderungen auch nicht entspricht und allein schon deshalb ein Wechsel notwendig wäre?
Nein, denn das FA interessiert nur das, was für das FA relevant ist. In dem Fall die Abgabe der Bilanz auf elektronischem Wege. Bei Urteilen, das meinte ich oben, muss man tatsächlich immer den Einzelfall betrachten und im Regelfall auch das konkrete Thema. Das pauschal auf alles zu "stülpen" geht im Normalfall nicht.

Du kannst ja auch nicht sagen: TÜV ist zwar vorgeschrieben, aber das wäre viel zu teuer für mich, deswegen fahre ich ohne etc. Und nur weil dieser eine Fall so beurteilt wurde, heisst es nicht, dass es z.B. in Deinem Fall auch so ausgehen würde.

Ich habe die Regeln nicht gemacht und wie ich auch schon mehrfach signalisiert habe: ich gebe nur Empfehlungen ab und schildere meine Sichtweise. Was Du oder andere Nutzer:innen machen, ist ja nicht meine Verantwortung. :)
Beste Grüsse

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Re: Pflicht zur Nutzung aktueller Programmversionen?

Beitrag von Lutze » Mo 3. Mai 2021, 10:11

Steve Rückwardt hat geschrieben:
Fr 30. Apr 2021, 09:40
Du kannst ja auch nicht sagen: TÜV ist zwar vorgeschrieben, aber das wäre viel zu teuer für mich, deswegen fahre ich ohne etc. Und nur weil dieser eine Fall so beurteilt wurde, heisst es nicht, dass es z.B. in Deinem Fall auch so ausgehen würde.
Ohne Tüv kommst du nicht auf die Straße, keine Zulassung und das wird auch noch Neuwagen nach 3 Jahren und dann alle 2 Jahre geprüft.
Gewerbeanmeldung und Steuernummer bekommst auch ohne den Nachweis das du entsprechende Software einsetzt.
Und ja das hängt im Zweifel vom Richter ab wie das Urteil aussieht. Die Begründung dürfte allerdings auf viele Fälle übertragbar sein.
Zumal die in dem Fall noch sehr zweifelhaft ist. Da ist eine GMBH mit 70.000 € Umsatz, da sollten die 267 € wohl drin sein. Das da nur 300€ Gewinn war ist ja wohl so hingerechnet worden. Die entnehmen einfach für das Gehalt so viel das nicht mehr übrig bleibt. Das bekomme ich auch bei 1 Mio Umsatz hin.
Lexware übernimmt ja auch für aktuelle Software keine Haftung das sie allen Vorgaben entspricht, das steht ja auch in den somit nutzlosen Zertifikaten drin.

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