Lexware und Lieferschwellen

Hallo,

ich habe eine weitere Frage zur Lexware Warenwirtschaft. Ist es möglich mit der Warenwirtschaft das Problem der Lieferschwellen bei Versand ins Ausland zu lösen?

Die Lieferschwelle für Österreich beispielsweise beträgt gerade einmal 35.000€ im Jahr. Das ist nicht wirklich viel. Noch ist mein Onlineshop neu und das Problem ist noch nicht brandaktuell. Aber 35.000€ ist nicht wirklich viel.

Leider ist mir bisher nicht klar, wie man das lösen könnte. Man bräuchte ja eine Möglichkeit für Artikel verschiedene Erlöskonten zu hinterlegen, die in Abhängigkeit vom Lieferland des Auftrages (konkret der Rechnung) angepsrochen werden würden. Sprich ist Lieferland Deutschland, soll das normale 19% Ust. Erlöskonto bei der Buchung verwendet werden. Ist das Lieferland jedoch Österreich und die Lieferschwelle ist überschritten, müsste dementsprechend ein anderes Erlöskonto bei der Buchung der Rechnung verwendet werden.

Also gibt es hier eine Möglichkeit dieses Problem mit Lexware zu handeln?

Vielen Dank

LG

Axel

Hallo Axel,

ich bin da rechtlich nicht im Bilde, habe mich eben nur kurz dazu (überfliegend) belesen. Musst Du den Umsatz nachweisen oder wer bestimmt, ob diese Lieferschwelle überschritten wurde?

Das klingt so ein wenig, wie wenn das ähnlich dem Moss Verfahren ist.

Das wird sich nur über separate Warengruppen lösen lassen, welchen Du dann Deine gewünschten Erlöskonten zuweist. Ob und wenn wann Lexware hier anderweitige Optionen integriert, kann ich leider nicht sagen.

Hallo Steve,

ganz kurz um was es hier geht:

Als Versandhändler gile für Versand in andere EU-Länder zunächst einmal, dass die deutsche Umsatzsteuer berechnet wird. Jedes EU-Land hat hier jedoch eine sogenannte Lieferschwelle. Bei Österreich ist die z.B. 35.000€ pro Jahr.

Liegen meine Verkaufserlöse für Lieferungen nach Österreich in einem Jahr unterhalb dieser Schwelle ist alles gut. Denn dann berechne ich dem österreichischen Kunden die deutsche Mehrwertsteuer und führe die auch in Deutschland ab. Sobald meine Verkaufserlöse für Lieferungen nach Österreich in einem Jahr diese Lieferschwelle jedoch überschreiten muss ich mich in Österreich umsatzsteuerlich anmelden und meine künftigen Verkaufserlöse unterliegen nicht mehr der deutschen Umsatzsteuer sondern der österreichischen Umsatzsteuer. Ich muss dann auf meinen Rechnungen für den österreichischen Kunden nicht mehr 19% USt. ausweisen, sondern 20% (Umsatzsteuersatz in Österreich) und diese auch nicht mehr an das deutsche Finanzamt abführen sondern nach Österreich.

Das heißt die entsprechenden Umsätze dürften dann nicht mehr auf das normale Erlöskonto gebucht werden, sondern müssten, im SKR04 z.b., auf das Konto 4339 Erlöse aus im anderen EG-Land steuerbaren Leistungen, im Inland nicht steuerbare Umsätze, die Umsatzsteuer auf das entsprechende Konto 3817 Umsatzsteuer aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen Lieferungen gebucht werden.

Es gibt lustigerweise hierzu einen sehr schönen Artikel von Haufe unter http://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/umsatzsteuer-versandhandel-in-der-eu_idesk_PI11525_HI6758651.html

Allerdings sehe ich wie bereits mitgeteilt keine Möglichkeit, dies unter Lexware zu realisieren.

Dein Vorschlag mit der eigenen Warengruppe wäre u.U. ein Workaround. Aber das würde bedeuten ich müsste jeden Artikel doppelt anlegen. Wenn man die Lieferschwelle für mehrere Länder überschritten hat, unter Umständen sogar dreifach, vierfach, etc. Bei mehreren tausend Artikeln ein unmögliches Unterfangen, zumal dann ja auch ein großes Problem mit den Lagerbeständen auftreten würde.

Das kann also nicht die Lösung des Problems sein.

Keine Ahnung welche Kontaktmöglichkeiten du zu Lexware hast, aber es wäre toll, wenn man dieses Problem dort mal ansprechen könnte und sich eine Lösung überlegen würde.

Hier noch ein schöner Artikel dazu:

Grüße

Axel

Hallo zusammen,

danke für die Erläuterungen, Axel. Das ganze gilt ja nur für Privatkunden oder Unternehmen ohne Umsatzsteuer-ID, soweit ich das verstanden habe. Ist dann im Prinzip ähnlich wie das MOSS-Verfahren.

Aktuell leider nein.

Meine Kontakte sind schon recht gut, aber Feedback zur Wawi kannst Du auch selbst abgeben :slight_smile:https://support.lexware.de/produkte/faktura-und-auftrag/fragen-und-antworten/000000000076663 siehe E-Mail am Ende der FAQ.

Hallo Steve,

da ich nicht in den Bereichen Telekommunikation, Rundfunk und elektronische Dienstleistungen tätig bin, musste ich mir erst einmal angucken, was das Moss-Verfahren ist. :smiley:

Aber ja, das scheint ähnlich zu sein, mit einem Unterschied. Beim Moss-Verfahren muss man sich - sofern ich das richtig verstanden habe - nicht im Zielland umsatzsteuerlich registrieren lassen. Man muss zwar die Umsatzsteuer des Ziellandes berechnen, aber führt das trotzdem alles in Deutschland über deutsche Steuerneummern ab. Bei dem Lieferschwellen-System muss ich mich tatsächlich in dem Zielland, also z.B. Österreich, steuerlich registrieren und dann auch dort die entsprechende Steuererklärung einreichen und auch dorthin die Steuer abführen.

Dieser Unterschied hat aber im Prinzip erstmal nichts mit der WaWi zu tun. Das betrifft dann nur das Prozedere danach.

Ich werde mich auf jeden Fall mal an Lexware wenden wegen dieser Problematik. Es wäre aber trotzdem sehr schön und evtl. auch hilfreich, wenn auch du diese Problematik mal ansprechen könntest.

Das Problem ist halt, dass gerade in Österreich die Lieferschwelle mit 35.000,00€ pro Jahr sehr gering ist. Ich befürchte, dass ich die Lieferschwelle in Österreich dieses Jahr, spätestens jedoch nächstes Jahr überschreiten werde. Eigentlich befürchte ich es nicht, sondern hoffe es. :smiley: Und ich arbeite jetzt seit so vielen Jahren mit Lexware, ich würde es bedauern, deswegen mein komplettes System WaWi, FiBu etc. wechseln zu müssen. Dies nicht nur wegen des finanziellen Aufwandes, man gewöhnt sich ja auch im Laufe der Zeit an die Arbeitsabläufe etc. Darüber hinaus ist Lexware durch diverse Schnittstellen an alle anderen Systeme (Onlineshop, Amazon, Versandabwicklung, etc.) gekoppelt und es wäre auch ein sehr großer Aufwand das alles zu ändern. Aber letztlich bliebe mir ja keine Wahl, wenn ich mit Lexware die gesetzlichen Vorgaben nicht umsetzen könnte.

Grüße

Axel

Hallo Axel,

ich wollte damit auch nur die vergleichbaren Sachverhalte mit unterschiedlicher Besteuerung darstellen. Wohin abgeführt wird, ist ja zunächst erst einmal nicht wichtig.

Der Sachverhalt allgemein ist bekannt, allein wegen dem MOSS-Verfahren. Ich werde es aber explizit bzgl. den Lieferschwellen noch einmal mit einreichen.

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Hallo Steve,

darf ich diese Aussage:

dahingehend deuten, dass man auch daran arbeitet mittelfristig eine Lösung für dieses Problem zu bieten?

Grüße

Axel

Hallo Axel,

nein. :slight_smile:

Ich weiss es nicht. Aktuell sehe ich den Sachverhalt so, dass die Thematik in der Zielgruppe bzw. bei den aktiven NutzerInnen vermutlich (noch?) nicht so verbreitet ist. Zumindest halten sich die Nachfragen zum Thema MOSS für meine Einschätzung sehr in Grenzen. Das Thema mit den Lieferschwellen begegnet mir in diesem Thread erstmalig.

Wenn der Anteil derer, die dieses Thema betrifft auf einen spürbaren Anteil anwächst, wird es für die Produktentwicklung relevanter. Man muss hier immer im Hinterkopf haben, dass Lexware eine Standardsoftware ist und viele Dinge, welche gewünscht werden, auch für den Grossteil derer, die die Software letztlich nutzen, relevant sein muss.

Deswegen: Feedback geben und die bereits erwähnte Kontaktmöglichkeit dafür nutzen. Je mehr AnwenderInnen solche Features nachfragen, um so weiter nach oben in der ToDo Liste sollte soetwas rutschen. :slight_smile:

Hi Steve,

danke für die Rückmeldung.

Ich habe mir gerade ein paar Gedanken dazu gemacht wie ich das umsetzen könnte, und im Zusammenhang mit deinem Beitrag in dem Thread über die Stücklistenrechnung ist mir da eine Idee gekommen. Evtl. kannst du das mal mit mir durchgehen und mir sagen, ob das klappen würde.

FIBU:
Also zunächst habe ich mir in der Buchhaltung ein eigenes Konto angelegt für die österreichiche Umsatzsteuer. Bei Steuersätzen habe ich ebenfalls einen neuen angelegt USt. 20% AT und diesem Steuersatz das Konto zugeordnet. Ebenfalls habe ich ein Erlöskonto, Erlöse 20% USt. Österreich angelegt und die Zuordnung zur UStVA und UStJE und dem entsprechenden Steuersatz vorgenommen.

WAWI:
Also, ich habe meinen Artikel A, der in der Warengruppe 19% deutsche Umsatzsteuer ist.
Nun lege ich mir eine neue Warengruppe an, sagen wir Österreich 20%. Dort hinterlege ich als Erlöskonto das oben eingerichtete Konto „Erlöse 20% USt. Österreich“ und lege in dieser Warengruppe ein Duplikat des Artikels an.
Mein Problem ist jetzt ja, dass ich nun den selben Artikel zweimal angelegt habe, wegen der unterschiedlichen Steuersätze. Das würde bedeuten, meine Lagerbestände würden völlig durcheinander geraten. Wenn ich nun bei dem neuen Artikel für Österreich eine Stückliste anlege und da den „normalen“ Artikel für Deutschland als einzigen Artikel einfüge und das dann in Kombination mit diesem Automatisierungstool dass du in dem anderen Thread angesprochen hast, dann würde doch jedesmal wenn ich den „österreichischen Artikel“ verkaufe automatisch eine entsprechende Umbuchung vom „deutschen“ zum „österreichischen“ Artikel durchgeführt? Sehe ich das richtig?

Wenn ja, würde das schonmal helfen, denn jetzt würde ich meine Bestände wie vorher auch, nur bei dem „deutschen“ Artikel pflegen, und bei Verkauf eines Artikels nach Österreich würde dieser ebenfalls von dem Bestand des „deutschen“ Artikels abgezogen. Ich könnte also den Bestand bei dem „österreichischen Artikel“ einfach immer auf 0 lassen.

Ich müsste ledglich bei Bestellungen die automatisch, z.B. aus einem Onlineshop übertragen werden, dahingehend manuell was machen, dass ich den dort eingefügten „deutschen Artikel“ gegen den „österreichischen Artikel“ austausche. Das wäre dann zwar mit manuellem Aufwand verbunden, den ich eigentlich gerne vermeiden würde, aber es wäre zumindest realisierbar.

Ich hoffe das war irgendwie verständlich, ich habs mir gerade nochmal druchgelesen und weiß gerade nicht, ob ich es selbst noch verstehe… :smiley:

Grüße

Axel

P.S.: Eine Sache noch zu den Lieferschwellen. Ich habe da so eine Befürchtung. Und zwar, dass die meisten, insbesonderen kleineren, Versandhändler das gar nicht wissen. Es gibt diese Geschichte schon seit vielen Jahren, und ich glaube, dass das schlichtweg von den meisten ignoriert wird. Das könnte jedoch bei einer Steuerprüfung zu massiven Problemen führen. Denn wenn die Rechnung mit deutscher Mehrwertsteuer ausgestellt ist, ist die auch fällig. Wenn der Steuerprüfer dann aber feststellt, dass die Lieferschwelle überschritten ist, dann hat man das Problem, das zunächst einmal zusätzlich auch noch die Steuer nach Österreich abzuführen ist. Die deutsche Steuer kann man sich zurückholen, aber das ist dann mit enormem Aufwand verbunden, da man alle entsprechenden Rechnungen korrigieren muss. Dass die meisten das entweder gar nicht wissen, oder aber schlicht ignorieren, sieht man bereits daran, dass im Prinzip, auch bevor man die Lieferschwelle überschritten hat, die Umsätze an Privatpersonen oder Geschäftskunden ohne USt-ID ins EU-Ausland für jedes Land gesondert auf ein eigenes Erlöskonto gebucht werden müssten. Denn nur so kann man ja überhaupt feststellen, ob bzw. wann man die Lieferschwelle überschreitet. Somit besteht dieses Problem, auch wenn es vieleicht selten oder gar nicht an Lexware herangetragen wird, eigentlich für jeden Versandhändler der auch ins EU-Ausland liefert. Auf den Punkt gebracht ist, zumindest theoretisch, die Lexware Warenwirtschaft also für alle Versandhändler die auch ins EU-Ausland liefern nicht verwendbar. Und ich gehe davon aus, dass das sehr viele Benutzer der Lexware-Warenwirtschaft betrifft, auch wenn die es evtl. gar nicht wissen…

Hallo Axel,

sollte soweit passen, zur Sicherheit würde ich das aber vom Steuerberater abnehmen lassen.

Ja.

Du musst doch im dann theoretisch im Onlineshop auch einen anderen Artikel anzeigen, da Du ja die Umsatzsteuer mit angeben musst, ergo im Falle eines AT-Kunden auch die 20%, oder sehe ich das falsch?

Ich bin zwar kein Versandhändler, wusste bis zu diesem Thread hier aber auch nichts davon. Daher ist das schon gut möglich, dass es dazu bisher schlicht kein oder nur geringes Wissen in diesem Bereich gibt.

Naja, immer schön eins nach dem anderen. :smiley:

Das Problem gehe ich als nächstes an. Das heißt jetzt erklär ich dem Hersteller der Shopsoftware was Lieferschwellen sind. Wenn die es noch nicht gehört haben, in der Regel sind Onlineshop-Betreiber ja Versandhändler, dann wirds kritisch. :smiley:

Problem ist hier, dass ich keinen „anderen“ Artikel anzeigen kann, da ich dann wieder das Problem mit den Lagerbeständen hätte, denn die werden aus der WaWi automatisch an den Shop übermittelt.

Jetzt habe ich aber zumindest erstmal eine Möglichkeit gefunden das mit Lexware abzubilden, wenn es auch nicht die Ideallösung ist.

Danke für deine Hilfe

Grüße

Axel