Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

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Udo Netzel
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Re: Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

Beitragvon Udo Netzel » Do 17. Dez 2015, 19:52

Hallo,
Ecrivain hat geschrieben:Auch da irrst du - es sind arbeitsrechtlich einmal im Jahr 10 Arbeitstage am Stück zu gewähren.


um es noch etwas exakter auszudrücken: Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, das dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen. Kann der Urlaub aus diesen Gründen nicht zusammenhängend gewährt werden, und hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub von mehr als zwölf Werktagen, so muss einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage umfassen. (§ 7 BUrlG)

Und diese "dringende betrieblichen Gründe" sind keineswegs der übliche Personalnotstand. Es müssen außergewöhnliche, nicht vorhersehbare Gründe sein.
Freundliche Grüße aus Berlin

Udo Netzel
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DReffects
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Re: Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

Beitragvon DReffects » Fr 18. Dez 2015, 19:07

Auch in anderen Berufen gibt es maximal 14 Tage Urlaub, auch als angestellte Mitarbeiter.

Weil alle die Klippe runterlaufen, läuft man hinterher? Das zog schon früher nicht als Argument. "Aber Mama, der Rudi von nebenan darf auch bis 11 wachbleiben.." - "Mag sein, aber du bist nicht der Rudi". ;-)

In großen Konzernen wird monatlich ein voller Abschluss erstellt, für die Mitarbeiter im Rechnungswesen daher zwei Wochen voller Stress - Urlaub nicht möglich.

Warum? Was hat das mit dem Urlaubsanspruch einzelner Angestellter zu tun? Problem des Chefs.

Im Krankenhaus - bei unserem jetzigen Ärztemangel - wohl eher auch nur kurze Urlaube möglich.
Problem des Chefs.

Projektarbeiten u.a.m. führt auch zur Notwendigkeit von äusserst kurzen Unterbrechungen, da meistens die Teams nur aus wenigen Leuten bestehen, deren Fehlen zu Verzögerungen führen kann ......

Tausendmal das Problem vom Chef. Wenn er keine Verzögerung möchte muss er seine Personalplanung anders machen. Sklavenhalterei war früher.

Hallo, um es noch etwas exakter auszudrücken: Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, das dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen. Kann der Urlaub aus diesen Gründen nicht zusammenhängend gewährt werden, und hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub von mehr als zwölf Werktagen, so muss einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage umfassen. (§ 7 BUrlG)

Und diese "dringende betrieblichen Gründe" sind keineswegs der übliche Personalnotstand. Es müssen außergewöhnliche, nicht vorhersehbare Gründe sein.


Danke dafür!
"Sie können nicht Urlaub machen - wer erledigt dann A, B und C?" ist KEIN Argument. Das ist ein Personalplanungsproblem der Chefetage. Sonst nichts. Außergewöhnlich und nicht vorhersehbar ist was im Sinne von Firmengebäude brennt ab. Und auch noch anzumerken ist: der Gesetzgeber spricht von zwölf Werktagen. Das heißt wenn die umliegenden Wochenenden mit einbezieht 14-16 Tage am Stück. Und das aber auch nur dann, wenn das Gebäude abbrennt.

Abgesehen davon sprach ich nicht davon wie das aktuell in Firmen gehandhabt wird sondern davon, was ich als korrekt empfinde.

Ein Zitat vom Reuter Arbeitsrecht:
Was den meisten Arbeitgebern unbekannt ist: Auch mit Einverständnis des Arbeitnehmers – wie in vielen Betrieben praktiziert – kann der Urlaub nicht in kleinere Portionen aufgeteilt werden. Eine solche Handhabung widerspricht dem Gesetz und ist an sich unwirksam (das bleibt in aller Regel aber ohne Rechtsfolgen). Will der Arbeitnehmer also, wie insbesondere bei sog. Leistungsträgern nicht selten, nicht 2 Wochen zusammenhängenden Urlaub riskieren – weil er sich für unentbehrlich hält – dann darf der Arbeitgeber diesem Wunsch nicht nachgeben, sondern muss ihn mit sanftem Druck nötigen, dennoch 2 Wochen zusammenhängend zu nehmen. Alle führenden Kommentierungen sind sich einig, dass diese Regel in der Praxis fast immer missachtet wird.


Wenn du dich da nicht einmal irrst. Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung waren bis zur großen Reform auf Grund des BVerG-Urteils immer nur bis zu einem Höchstbetrag abzugsfähig, der gerade bei den etwas besser verdienenden immer dazu geführt hat, dass nur 70 bis 80% der tatsächlich selbst bezahlten Beiträge auch abzugsfähig waren. Nicht umsonst ist die Besteuerung jetzt auch nur teilweise, da diese beschränkte Abzugsfähigkeit berücksichtigt werden muss. Und auch heute ist dies absolut nicht der Fall. Vom Gesamtbeitrag wird der anrechenbare Teil (ich glaube, dieses Jahr 72%) ermittelt, von diesem Anteil dann der gesamte AG-Anteil abgezogen und nur der Rest ist dann noch steuerlich wirksam (also vom AN-Anteil statt 72% nur noch 32%). Soweit zur Besserstellung der angestellten Bevölkerung (Ausnahme: Beamte).

Also derzeit sind wir bei 80%. Der Arbeitgeber-Anteil ist Steuerfrei (und auch gratis on-top) für den Angestellten.

Folgendes Beispiel:

Selbstständiger
Ich zahle nun 10 Jahre in Private Rentenversicherungen ein - 450€ im Monat. 5400€ im Jahr und aus eigener Tasche.
Davon sind derzeit 80% abziehbar, also 4320€.

Angestellter
Stelle ich nun einen Angestellten mit 3.000€ brutto pro Monat, gemittelt auf die letzten 10 Jahre, gegenüber, zahlt dieser 280€ von seinem Lohn, der Chef muss nochmal 280€ drauflegen.
560€ im Monat, 6720€ im Jahr, davon die Hälfte geschenkt.
Davon machen sich dann 2016€ steuerlich bemerkbar. (6720€ * 0,8 - AG-Anteil von 3360€).

In dieser Stufe möchte man noch meinen, der Selbstständige hätte einen deutlichen Vorteil aufgrund der Höhe des abzugsfähigen Betrags. Bei identischem zu versteuernden Einkommen würde sich der Selbstständige ca. 600€ jährlich an Steuern sparen.

Aber:
Wäre ich Angestellt gewesen hätte ich inzwischen Anspruch auf etwa 13.91 Rentenpunkte.
Unterstelle ich nun eine Gehaltssteigerung von 1,4% pro Jahr, eine Inflation von 2,8% und eine Rentenanpassung von 1,1% erwartet mich zum Rentenbeginn eine Rente von 2.210€ monatlich.
(die Werte habe ich gewählt, da sie a) der Erfahrung der letzten 50 Jahre entsprechen und b) ähnlich in der Progression meiner RV abgebildet sind).

Mit meiner RV erhalte ich einen garantierten Rentenanspruch von 940€.
Klar, es gibt die Chance auf Überschussbeteiligungen. Aber wie ich schon schrieb - der Staat kommt mir da sicherer vor.

Oder sehe ich das falsch?

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Re: Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

Beitragvon Buchhaltung » Do 10. Mär 2016, 11:31

Hallöchen,
ich antworte mal auf die gestellte Frage ;) oder lasse mal dazu meine Gedanken fliessen.

Wir (bzw. mein Mann) haben einen klitzekleinen Betrieb mit einem Festangestellten, eine weitere halbe Angestellte bin ich :mrgreen: zur Zeit. Erst als Aushilfe, jetzt halbtags.

Im Moment erleben wir es als selbst und ständig. Natürlich ist es schön, wenn du dein eigener Herr bist, aber du trägst auch die komplette Verantwortung. Du muss sehen, dass Geld reinkommt, damit du die Miete, den Strom, den Angestellten, die Versicherungen usw. bezahlen kannst. Du musst die Jahre vorausplanen, damit die o.g. Dinge gesichert sind.
Die angepeilte Freiheit ist nicht immer so ausnutzbar wie wir sie gerne hätten. Der Betrieb nimmt einen doch mehr in Anspruch als man manchmal möchte.
Nix mit festen Arbeitszeiten. Nix mit festen Urlaubszeiten bzw. du bist im Urlaub schon manchmal mit den Gedanken in der Firma, ob es alles ohne dich läuft. Auch nach Feierabend machst du dir Gedanken.

Andererseits kannst du deine Kreativität ausleben und musst keine Regeln von einem anderen befolgen. Du machst...haha, oder versuchst sie zu machen. Das finde ich auch gar nicht so einfach. Regeln für andere zu erstellen und auch noch nett dabei zu sein. Anderen sagen, was und wie sie etwas tun sollen.

Es bedeutet schon sehr viel.

LG

Petermo
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Re: Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

Beitragvon Petermo » Mo 25. Apr 2016, 13:36

Hallo,
Interessante Beiträge hier, vieles kann ich nachvollziehen. Ich (68 Jahre), hatte einen Produktionbetrieb in der Medizintechnik.
Medizintechnik.... hört sich erstmal toll an, aber... ich muss es "etwas herunterschrauben", der Betrieb hat Geräte für die Physiotherapie (Krankengymnastik, Rehabilitation) hergestellt. Die Firma hatte 10 Mitarbeiter und bis zur Osteuropäischen Erweiterung lief es, aufgrund von Qualitätsbewusstsein und Innovation, sehr gut. Einen Nachfolger habe ich für meinen Betrieb nicht gefunden. Mitbewerber waren an einer Übernahme der Produktion, die in Deutschland herstellt, nicht interessiert. Dies war aber auch kein Wunder, die Hersteller aus Polen, Tschechien, Ungarn etc. haben zu Preisen verkauft, da hätte ich die "Sklaverei" wieder einführen müssen. Selbständigkeit ist eine gute Sache mit vielen Vorteilen (ich habe sie über 20 Jahre ausgeführt), die Nachteile sind hier schon genannt worden, aber... damit kann man klarkommen. Warum konnte ich meinen Betrieb nicht verkaufen? Hersteller von Geräten für die medizinische Praxis müssen zertifizieren, wir haben einen therapeutischen Rotlichtstrahler hergestellt, ein Gerät der Klasse IIa. Dies erfordert ein Zertifikat einer benannten Stelle, es gibt in Deutschland nicht viele davon. Diese Zertifizierung kostet zwischen 6.000,00 - 11.000,00 Euro, da ich mein QM-Handbuch selbst geschrieben habe, kam ich mit ca. 6.000,00 € hin. Die Zertifikatserhaltung schlug jährlich mit 4.500,00 € zu buche und Dies, wie Sie sich denken können, nur wegen einem Gerät (ein Zertifikat für Klasse 1 Geräte hätte jährliche Kosten von ca. 1000,00 € verursacht). Europa hat harmonisiert Normen, dies bedeutet, dass jedes Land nach den Normen arbeiten (herstellen) muss, nur.... manche Länder sehen das "Ganze" lockerer wie Deutschland. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten.... so hätte man den Rotlichtstrahler ja in Polen oder etc. herstellen lassen können, aber.... hätte nicht viel gebracht, da man als Vertreiber in Deutschland das Anschluss-Zertifikat haben muss. Die Zertifizierung und die Billig-Produkte machten es mir schwer, letztlich unmöglich, die Firma zu übergeben.
Peter

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Re: Was bedeutet Euch selbständig/FreiberuflerIn zu sein?

Beitragvon BiancaB » Di 10. Mai 2016, 21:46

Hallo, ich bin seit fünf Jahren selbstständig und es ist einfach großartig!!!
Ich hab einen kleinen Friseursalon und hab mit dem 11.1.11, meinen Eröffnungstag, jegliche Existenzängste verloren.
Kein Chef mehr, der mich unter Druck setzt.
Freiheit meinen Arbeitstag selbst zu gestalten
zu Öffnungszeiten da sein die für die Kunden optimal sind.
Mehr Urlaub als zu angestellten Zeiten. (dieses Jahr 6,5 Wochen ohne meine verlängerten Wochenenden 1x im Monat)
Überstunden sind bei mir strikt verboten. Da ich 2x die Woche bis 21 Uhr geöffnet habe, und einmal schon um 7 Uhr öffne ist das von den Kunden akzeptiert.
Es ist einfach genial!!!!

Die einzige Angst die ich hatte war, dass keine Kunden kommen.
Doch momentan bin ich für die kommenden 4 Wochen ausgebucht.

Nachteil:
Die Steuer. Ich bin jetzt schon seit 2 Jahren damit beschäftigt Umsatz zu reduzieren.
In München Stadt ist der Gewerbesteuerhebesatz bei exorbitanten 49%.
Auch einen guten Steuerberater zu finden ist schwirig.

Das macht aber nichts, ich möchte nicht noch einmal Angestellt sein
Zuletzt geändert von BiancaB am Sa 14. Mai 2016, 04:44, insgesamt 1-mal geändert.


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